Mehr als 25.000 Tunnel ziehen sich durch den Berliner Untergrund, weiß eine Texttafel zu Beginn des Films zu berichten, in viele von ihnen hat seit 60 Jahren niemand mehr einen Fuß gesetzt. Perfektes Ausflugsziel also für eine Gruppe "Urban Explorer", Entdecker auf der Suche nach vergessenen Winkeln der Großstadt. Doch wie das so ist in Berlin: Selbst unter der Erde lauern hinter jeden zweiten Ecke wahlweise be-pitbullte Neonazis oder kannibalistische DDR-Ex-Grenzer. Wenn man dann auch noch an der falschen Stelle stolpert, ist die Erkundungsreise schnell ruiniert.
Aktuellen Horrorfilmen wird gerne vorgeworfen, dass die Charaktere zu klischeebehaftet sind. Von "Urban Explorer" kann man das nicht behaupten. Denn die Figuren hier haben eher gar keinen Charakter, sondern zwecks internationaler Verwertbarkeit nur unterschiedliche Akzente. In den Katakomben Berlins warten auf sie die aus
"Hostel" & Co. hinlänglich bekannten Torture-Porn-Unappetitlichkeiten. Wer dabei wie draufgeht, bleibt dem Zuschauer mangels Sympathiewerten allerdings ziemlich egal.
Der deutsch-rumänische Regisseur Andy Fetscher lieferte vor vier Jahren mit "Bukarest Fleisch" eine zwar nicht perfekte, aber zumindest originelle und spannende Filmakademie-Abschlussarbeit. Sein Zweitwerk bietet immerhin eine böse Schwarzfahrer-Pointe – und in der Originalfassung die Erkenntnis, dass Jungstar
Max Riemelt ("Im Angesicht des Verbrechens") besser weiter deutsch sprechen sollte. Ansonsten bleibt der Film leider… sorry, aber das Wortspiel liegt bei der Thematik auf der Hand… weitgehend unterirdisch.