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Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm - Plakat zum Film

MACKIE MESSER - BRECHTS DREIGROSCHENFILM

(D, 2018)

Regie: Joachim Lang
Film-Länge: 130 Min.
 
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 Kino-Start:
 13.09.2018

 DVD/Blu-ray-Start:
 28.03.2019

"Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" - Handlung und Infos zum Film:


Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral - aber noch einmal davor kommt am 31. August 1928 um 5 Uhr morgens eine letzte Probe des neuen Stücks von Bertolt Brecht (Lars Eidinger). Am selben Abend soll "Die Dreigroschenoper" Welturaufführung haben in Ernst Josef Aufrichts Theater am Schiffbauerdamm, das mit dieser Inszenierung seine Tore neu öffnen wird. Aber die Schauspieler sind zerstritten. Sie sind unzufrieden mit ihren Rollen, den Texten und mit Brechts Vorstellungen. Das Stück ist zu lang, ein Desaster droht. Einer bleibt ruhig: Brecht. Umgeben von seinen wichtigsten kreativen Mitstreitern, dem Komponisten Kurt Weill (Robert Stadlober) und seiner Vertrauten Elisabeth Hauptmann (Peri Baumeister), lässt er Kritik an sich abperlen. Bestimmt gibt er letzte Anweisungen. Wenn er Zweifel haben sollte, dann lässt er sie sich nicht anmerken. Sie würden sich auch als unnötig erweisen: Wider Erwarten wird das Stück eine Sensation. Das Publikum tobt. Brecht und seine Leute werden gefeiert. Warum er keine Filme schreibe, wird er gefragt. Brecht, der das Kino eigentlich liebt, antwortet messerscharf: Die Filmindustrie ist zu doof und muss erst bankrott gehen.

Einige Monate später ist "Die Dreigroschenoper" längst ein Welterfolg, Berlin ist immer noch aus dem Häuschen. "Die Dreigroschenoper" ist überall. Nur nicht im Kino. Das soll sich ändern. Seinem engsten Kreis, dem neben Weill und Elisabeth Hauptmann auch seine Frau Helene Weigel (Meike Droste), Weills Ehefrau Lotte Lenja (Britta Hammelstein) und die gefeierte Schauspielerin Carola Neher (Hannah Herzsprung) angehören, legt Brecht den Vertrag mit der Filmfirma von Produzent Seymour Nebenzahl (Godehard Giese) vor: Er soll "Die Dreigroschenoper" als Drehbuch verfassen, Weill ist als Komponist vorgemerkt. Doch Brecht hat nicht vor, das Stück eins zu eins für die Leinwand zu adaptieren. Er hat andere Vorstellungen, wie der Stoff als Film aussehen soll.

Es wäre Unfug, Elemente eines Theaterstücks wenig verändert zu verfilmen. Keine Abbildung der Realität soll es werden, sondern ein Blick dahinter: Nur das Künstliche, die Kunst, gibt die Sicht auf die Wirklichkeit frei. Und darum soll es gehen. Muss es gehen. Brecht sieht den Film bereits vor sich, angesiedelt in einem London, wie man es aus den Kriminalromanen kennt, im Verbrechermilieu von Soho und Whitechapel. Hier ist der Gangster und Zuhälter Macheath (Tobias Moretti) zuhause. Mit dem aggressivsten Song des Stücks soll der Film beginnen, mit "Denn wovon lebt der Mensch?".

Findet Brecht, stößt damit aber nicht auf Gegenliebe bei Seymour Nebenzahl: Der Produzent will, dass sein Film genau so beginnt wie das Theaterstück, mit der "Moritat von Mackie Messer". Wie es die Menschen gewohnt sind. Mit den Gewohnheiten zu brechen, ist aber genau Brechts Absicht. Er versucht, Nebenzahl zu beruhigen und erzählt ihm, wie er sich den Film vorstellt. Wie Macheath auf der Straße Polly Peachum (ebenfalls Hannah Herzsprung) sieht, die mit ihrer Mutter, Frau Peachum (Claudia Michelsen), durch die Stadt flaniert. Wie ihm sofort ihr Hinterteil auffällt und er beschließt, diese Frau zu heiraten, bevor er noch das erste Wort mit ihr gesprochen hat. Wie Macheath sofort mit ihr flirtet, sie zum Tanz einlädt und Polly entführt. Ihr Vater ist der Bettlerkönig Peachum (Joachim Krol), der mit seinem Unternehmen "Bettlers Freund" eine regelrechte Fabrik betreibt, in der er Menschen als Bettler ausstattet und auf die Straße schickt. Peachum weiß nicht, dass seine Tochter und Macheath bereits ein Paar sind. Sie kennen einander nur vier Stunden, dann sind sie Mann und Frau. Eine stürmische Hochzeitsfeier wird gefeiert, mit der Bande des Bräutigams und seinen Freunden aus der etablierten Gesellschaft Londons.

Brecht führt Nebenzahl durch das Szenario. Der Produzent ist besorgt. Er hat Angst vor der Zensur und hohen Produktionskosten, vor Brechts künstlerischer Stimme, die er als zynisch empfindet – er will einfach nur vom klingenden Namen der "Dreigroschenoper" profitieren. Kunst oder Aussage spielen für ihn eine untergeordnete Rolle. Brecht beschwichtigt ihn, weiß aber auch, dass er nicht von seiner Vision, einer politisch und ästhetisch radikalen Vision, abweichen wird. Den Macheath seines Films stellt er sich als ambitionierten Geschäftsmann vor, der von Legalität und Ansehen träumt. Der Räuber strebt ins Bürgertum. Peachum ist entsetzt, als er erfährt, in wen sich seine Tochter verliebt hat. Die Ehe mit seiner alkoholkranken Frau ist lieblos, Polly ist alles, was er hat: Für sie schuftet er, hat er sein Imperium aufgebaut. Er wird nicht einfach mitansehen, wie Polly für einen Verbrecher alles wegwirft.

Die Fronten zwischen Brecht und der Filmfirma verhärten sich. So wie der Autor es sich vorstellt, will Seymour Nebenzahl seinen Film, für dessen Rechte er bezahlt hat, auf keinen Fall realisieren. Notfalls, so droht er, werde er "Die Dreigroschenoper" auch ohne Brecht verfilmen. Der reagiert: Er will vor Gericht ziehen und die Filmfirma verklagen. Einstweilen verändert er den Film, den er machen will. Immer weiter entfernt er sich vom Theaterstück, weil er die Augen vor den drastischen Veränderungen in der Welt nicht verschließen kann. Die Weltwirtschaftskrise hat Massenarbeitslosigkeit zur Folge, immer mehr Menschen werden ins Elend gestürzt. Und für die Menschen will Brecht seine Kunst machen. Die wird radikaler, politischer, provokanter. Sein neuestes Stück, "Die heilige Johanna der Schlachthöfe", ist unmittelbare Reaktion auf die Entwicklungen. Sein "Dreigroschenfilm", wie er ihn sieht, ist nun ebenso radikal, politisch und provokant.

Die Handlung spitzt sich zu, die Auseinandersetzung zwischen Macheath und Peachum eskaliert: Um Polly vor Macheath zu retten, schwärzt Peachum seinen ungeliebten Schwiegersohn bei der Polizei an und droht mit einem Zug seiner Bettler, ein Zug der Ärmsten der Armen, anlässlich der Krönung der Königin. Trotz der engen Freundschaft aus gemeinsamen Armeezeiten zu Polizeichef Brown, genannt Tiger Brown (Christian Redl), ist Macheath nicht zu retten. Er setzt auf Polly, der er die Leitung seiner Geschäfte überträgt, bevor er festgenommen wird und ins Gefängnis wandert.

Mehr und mehr löst sich Brecht von der ursprünglichen Vorlage. Die Handlung nimmt eine neue Richtung, er schreibt neue Lieder. Die Aussicht darauf, dass sein Stoff verfilmt werden könnte, wird immer geringer. Mit dem Aufkommen des Faschismus, dessen Gift in den Adern Deutschlands Wirkung zeigt, hat er nicht mehr nur die Filmfirma gegen sich, sondern auch die Filmindustrie mit den Kinobetreibern, die den Stoff als sittenwidrig und undeutsch empfindet. "Auf Brecht und Weill gehört ein grober Keil", wird skandiert. Brecht lässt sich nicht einschüchtern. Während in dem Film, den er sich vorstellt, der Kampf um den Kopf von Macheath beginnt, zieht er selbst in den Kampf gegen die Filmfirma und beginnt damit eine Inszenierung der ganz besonderen Art, eine Inszenierung der Wirklichkeit. Die Richter, die Anwälte, die Journalisten, alle sollen seine Schauspieler werden. "Ein soziologisches Experiment" nennt er den Prozess. Vor Gericht will er das Recht erstreiten, die künstlerische Kontrolle über sein Werk zu behalten. Dabei weiß er, dass er diesen Prozess verlieren wird. Und gerade damit will er den Beweis antreten, dass die Justiz finanziellen Interessen den Vorzug vor der Kunst gibt.

Es kommt zum Showdown. In der Realität. Und in Brechts Film, der niemals gemacht werden wird. Aber vor seinem geistigen Auge existiert er: Macheath wird gerettet werden, Polly hat die Bank gekauft, der neue Direktor ist Macheath, seine Frau und seine Bande bringen das Lösegeld. Sein Wunsch nach scheinbarer Legalität erfüllt sich, aus den Gangstern werden Banker, die Vergangenheit verschmilzt mit der Gegenwart ...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 31.01.2019


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