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Drifter - Plakat zum Film

DRIFTER

(D, 2007)

Regie: Sebastian Heidinger
Film-Länge: 81 Min.
 
"Drifter" auf DVD bestellen
DVD:  15.97 EUR
  


 Kino-Start:
 11.06.2009

 DVD/Blu-ray-Start:
 30.06.2009

"Drifter" - Handlung und Infos zum Film:


Im rhythmischen Aufsteigen und Fallen der die Gleise begleitenden Telefonleitung treiben trostlose Wiesen mit grauen Feldern von Restschnee über die Leinwand. Mit diesem Blick aus dem fahrenden Zug verschwindet Aileen, die weibliche Protagonistin in Sebastian Heidingers Dokumentarspiel, vom Bahnhof Zoo, dem Zentralort des Films. Zurück und weiter im Bild bleiben Angel und Daniel, zwei junge Männer, die in einer kargen Geschichte ganz unterschiedlich auf Aileen bezogen sind. Was wie eine Dreiecksgeschichte mit möglichen Verwicklungen beginnt, erweist sich als das komplementäre Zusammenspiel dreier Personen, deren Lebens- und Handlungszentrum der Bahnhof Zoo und seine unmittelbare Umgebung ist. Es geht um Geldmachen, um Prostitution und Freier, um eine Bleibe für die Nacht, um Drogen.

Die empörende Zärtlichkeit der Selbstironie, die gerissene Klugheit der Straße, der gefährdete Trost der mühsamen Beziehungen tritt in kleinteiligsten, klaren Formen zutage. Der Film folgt seinen Figuren - Keine Biographie, keine Erklärungsmuster. Keine literarische Aufladung des Drogenkonsums, keine historische Topographie der durch Generationen von Junkies beschriebenen Stadt. Un-Orte, Narben der Städte legt die Kamera frei und bewegt sich auf verschlungenen Pfaden durch Treppenhäuser und Korridore. I m Verlauf des Films werden die Bewegungen komplexer, die Räume sind geschlossen, kein Tageslicht dringt mehr von außen nach Innen und der Weg ist nicht mehr rekonstruierbar.

Daniel und ein Freund bewegen sich zielsicher und routiniert, durchkreuzen menschenleere Korridore, bis sie sich in einer Behindertentoilette einschließen und mit einem Pullover den Spalt zwischen Boden und Tür abdichten, um keinen Lichtstrahl auf den Gang nach draußen fallen zu lassen. Eine mitgebrachte Klopapierrolle ist Daniel ein Kopfkissen, das geräumige Waschbecken scheint wie geschaffen dafür zu sein, sich die Füße zu waschen und die Haare. Es ist die Weise, in der er seine Schuhe am Kopfende des improvisierten Bettlagers genau nebeneinander ausrichtet. Die Weise, in der Angel in der Wohnung eines Stammfreiers Schnitzel und Kartoffeln, Mischgemüse und Soße zu einem Bild gefrorener Kleinbürgerlichkeit zusammenstellt: Perfekte Ordnungsinstanzen, die uns vertraut sind, die aber kaum einen Widerhall im Leben der Protagonisten haben. Fragmente einer fremden Ordnung, die auf Besitz verweisen. Angel und Daniel und Aileen haben nichts und niemanden außer dem, den sie mit sich führen.

Als Aileen im Zug sitzt, auf dem Weg zurück in ein Heimatdorf, weil sie sich die Gelbsucht geholt hat und man im Blick aus dem Zugfenster die verkarsteten brandenburgischen Felder zurücklässt - da verdichten die fleckigen Winterwiesen Aileens momentane Befindlichkeit und die Verlassenheit, die Daniel im Verlauf des Films immer mehr verstören wird, zum Bild einer trostlosen Gegenwart wie einer nicht weniger dämmrigen Zukunft.

Erst später wird einem bewusst, fast überdeutlich, fast schmerzhaft, dass es eine Erzählung gegeben hat, dass etwas passiert ist, das den Film einteilt in ein Davor und ein Danach, es ist ja auch tatsächlich ein Mensch fortgegangen aus dem Leben zweier anderer, wie vielleicht nur in einem solchen Leben ein Mensch weggehen kann...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 31.01.2019


Alle Preisangaben ohne Gewähr, Stand: n.n.

 
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