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Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution - Plakat zum Film

DIE MISSWAHL - DER BEGINN EINER REVOLUTION

("Misbehaviour")
(GB/F, 2020)

Regie: Philippa Lowthorpe
Film-Länge: 106 Min.
 
  


 Kino-Start:
 01.10.2020

"Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution" - Handlung und Infos zum Film:


Ein bisschen sieht es aus wie ein Casting, ein bisschen auch wie ein Tribunal, und tatsächlich hat es Elemente aus beidem: Im Jahr 1970 sitzt Sally Alexander (Keira Knightley) an der Geschichtsfakultät des University College London vor einem rein männlichen Befragungsgremium. Es geht um ihre Bewerbung für ein Studium, und der Unwille des Gremiums, die Mutter einer kleinen Tochter als Kandidatin ernst zu nehmen, ist greifbar. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Sally in einer Zeit des weltweit aufkommenden Protests gegen erstarrte Gesellschaftsstrukturen die Sache der Frauen auf die Fahne geschrieben hat. Durch ihren Eintritt in die von Männern dominierte akademische Welt hofft sie dazu beizutragen, das System von innen heraus reformieren zu können.

Wogegen sich Sallys Einsatz wendet, symbolisiert sich unter anderem in der Person des legendären amerikanischen Entertainers Bob Hope (Greg Kinnear). Zeitgleich zu Sallys Bewerbungsgespräch tritt er auf einem Stützpunkt der US-Armee in Vietnam vor Tausenden von Soldaten auf. Als Höhepunkt der Show bittet er die amtierende Miss World aus Österreich auf die Bühne – und die Truppe tobt. Zu dieser Zeit ist der jährliche Miss World-Schönheitswettbewerb mit über 100 Millionen Zuschauern eine der meist gesehenen Fernsehsendungen der Welt und soll auch 1970 wieder in London stattfinden. Die Organisatoren, das Ehepaar Eric (Rhys Ifans) und Julia Morley (Keeley Hawes), können Hope als Moderator des Events gewinnen.

Parallel nimmt Sally, die mittlerweile einen Studienplatz ergattert hat und frustriert über die Ignoranz ihrer männlichen Kommilitonen ist, am ersten Treffen der neu gegründeten Frauenbewegung teil. Dort lernt sie Jo Robinson (Jessie Buckley) und ihre aktivistischen Gleichgesinnten kennen. Jo steht Sally skeptisch gegenüber, weil sie ihrer Meinung nach eher Teil des Establishments sein will als für dessen Sturz zu kämpfen. Sally ihrerseits weist Jos Militanz als unwirksame Gestenpolitik zurück. Obwohl sie sich dem Kampf um Gleichberechtigung aus verschiedenen Blickwinkeln nähern, sind sie neugierig aufeinander, und Jo lädt Sally ein, sich ihrer Frauengruppe anzuschließen. Sally nimmt das Angebot an – zu sehr reibt sie sich am klassischen Frauenbild, das ihre Mutter für sie verkörpert und von dem sie ihre kleine Tochter Abbie nicht beeinflusst sehen will. Als sie sieht, wie Abbie einen Fernsehbericht über den bevorstehenden Miss-World-Wettbewerb regelrecht aufsaugt und die Schönheitsköniginnen imitiert, ist Sally entsetzt über den Einfluss der Veranstaltung und beschließt, sich Jos Gegeninitiative anzuschließen.

Die Miss World-Kandidatinnen kommen in London an, darunter die favorisierte Miss Schweden, Maj Christel Johansson (Clara Rosager), die aufgrund von Kontroversen eilig ausgewählte erste schwarze Südafrikanerin Pearl Jansen (Loreece Harrison) sowie die erste Miss Grenada Jennifer Hosten (Gugu Mbatha-Raw). Für letztere sind die Reise und die Gelegenheit, sich zu präsentieren, Wendepunkte ihres bisherigen von Armut und politischen Konflikten geprägten Lebens. Der Rest der Vorbereitungen ist "business as usual": Abendkleid- und Badeanzug-Anproben, Vermessung der Körper und Zuteilung von Anstandsdamen.

Die Routine der schönen Frauen wird durch eine Fernsehsendung unterbrochen, in der eine zögerliche, von Jo geschickte Sally als Speersitze der Frauenbewegung öffentlich erklärt, dass sich ihr Protest nicht gegen die Kandidatinnen richtet, sondern gegen den Wettbewerb, der sie objektiviere und auf ihr Aussehen reduziere. Ihre direkte Attacke auf die Misswahl planen die Feministinnen als spektakuläre Aktion: Um mit einem 8 verborgenen Arsenal von Mehlbomben, Rasseln, tintengefüllten Wasserpistolen und Protestbannern in die Veranstaltung zu gelangen, müssen sie sich jedoch als "normale" Besucherinnen ausgeben.

Privat bekommt Sally Schwierigkeiten mit ihrer Mutter, weil sie ihrer Meinung nach ihre Verpflichtungen als Partnerin und Mutter ignoriere. Sally erwidert, dass sie dafür kämpfe, die Welt zu einem besseren Ort für Abbie zu machen, an dem ihre Tochter nicht in einem "kleinen" häuslichen Leben gefangen sein muss. Evelyn nimmt das als persönliche Kritik an ihrer eigenen Lebensentscheidung und stürmt aus der Wohnung ihrer Tochter.

Am Vorabend des Wettbewerbs beschließt eine andere Protestgruppe, die erhöhte Medienpräsenz zu nutzen. Die anarchistische "Rote Brigade" zündet in einem vor dem Theater geparkten BBC-Van eine Bombe. Die Gefahr wächst auch für Sallys Team. Die Aktionen der feministischen Gruppen und der Anti-Apartheid-Demonstranten verunsichern auch den ansonsten nonchalanten, zum Sexismus neigenden Bob Hope.

Ungeachtet all dessen beginnt die Show gewohnt glamourös mit Vorstellungsrunden in Nationalkostümen und Badeanzügen. Als die Teilnehmerinnen aufgefordert werden, sich umzudrehen, damit die Preisrichter ihre Hinterteile beurteilen können und Bob Hope sich süffisant darüber äußert, ist es um Sallys Selbstbeherrschung geschehen: Sie springt von ihrem Sitz auf und schreit: "Schämt euch!" Der Protest ist entfacht, die Transparente entfaltet, die Mehlbomben fliegen auf die Bühne – und das Thema endgültig in die Köpfe des Publikums.

Nachdem die Polizei die Ordnung wiederhergestellt und die Frauenrechtlerinnen in Gewahrsam genommen hat, wird die Sendung fortgesetzt. Die finale Wahl ist historisch: Nicht die blonde Schwedin, sondern Jennifer Hosten gewinnt und wird die erste schwarze Miss World der Geschichte. Pearl Janssen wird Zweite. Bei einem zufälligen Zusammentreffen zwischen Jennifer und Sally sagt ihr die neue Miss World auf deren Kritik an der Reduktion auf das Aussehen, dass sie sich darauf freue, nun "die gleichen Entscheidungsoptionen im Leben zu haben wie sie."

Trotz der bedrückenden U-Haft, in der sich Sally und Jo über deren bisher verschwiegenen Schwangerschaft näher kommen, steht am Ende eines fest: Die Miss World-Wahl von 1970 hat nicht nur den westlichen Feminismus auf der Landkarte verankert, sondern übergreifendes Bewusstsein für die Chancen und das Recht aller Frauen geschaffen...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 26.08.2020


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