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Nur eine Stunde Ruhe - Plakat zum Film

NUR EINE STUNDE RUHE

("Une heure de tranquillite")
(F, 2014)

Regie: Patrice Leconte
Film-Länge: 79 Min.
 
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 Kino-Start:
 16.04.2015

 DVD/Blu-ray-Start:
 18.09.2015

 Pay-TV-Start:
 04.07.2016

"Nur eine Stunde Ruhe" - Handlung und Infos zum Film:


Ein Morgen auf dem Flohmarkt, wie er nicht herrlicher sein könnte. Die Sonne flirrt, hübsche Menschen tragen hübsche Sommerkleider und spazieren. Michel Leproux (Christian Clavier), sechzig Jahre und als Zahnarzt bestens im Leben etabliert, schlendert zwischen den Verkaufsständen herum, kann ganz entspannt seine Mutter am Handy schnattern lassen über irgendetwas, was seinen Vater im Pflegeheim betrifft – was soll’s. Denn in diesem Augenblick stößt Michel auf etwas, was ihm seit einer Ewigkeit in seiner Jazz-Sammlung fehlt: "Me, Myself And I" – eine Vinyl-Aufnahme aus den Goldenen 50er Jahren von dem längst vergessenen Neil Youart. Kein Mensch kennt ihn noch – aber Michel kennt ihn! Warum soll er jetzt seine Verzückung verbergen – überschwänglich drückt er dem Verkäufer 50 Euro in die Hand. Für diesen Treffer hätte er auch 500 hingeblättert. Zuhause im gediegenen Salon wartet schon sein Plattenspieler, ein wahres Prachtexemplar.

Gut, erst muss er sich noch ins Haus verdrücken, unerkannt von seiner Geliebten Elsa (Valerie Bonneton) bleiben, die völlig unabgesprochen versucht, ihn vom Café gegenüber aus zu erreichen. Und im Treppenhaus es noch vorbeischaffen am Nachbarn Pavel (Stephane de Groodt), dem pingeligen Animateur der heutigen Nachbarschaftsparty. Dann in der Wohnung nur noch rasch Nathalie (Carole Bouquet) ein Entspannungsbad einlassen, die mit leidender Miene von irgendeinem Geständnis faselt. Irgendetwas mit ihrem gemeinsamen Sohn Sébastien. Aber dann, endlich allein in der Ruhe des Salons, kann Michel die Kostbarkeit aus ihrer Hülle ziehen, sie in all ihrem Schimmer auflegen, sie feierlich mit dem Antistatik- Tuch abwedeln ... das Rauschen der Rillen erklingt ... und da steigen sie auf, die ersten, himmlischen Klarinettentöne von Neil Youart – in die plötzlich ein überaus unrhythmisches Wummern wie das einer Abrissbirne hineinfährt. Beim Teutates, was ist das?!

Nun, es ist Samstag. Und Samstag ist der Tag, an dem der junge Schwarzarbeiter Léo (Arnaud Henriet) mit seinem Kumpel das Kinderzimmer des Sohnes zu Michels Arbeitszimmer umbauen soll. Und dazu müssen nun mal die Zwischenwände dran glauben. Dann soll er sie wenigstens leise einreißen, fleht Michel ihn an. In seinem Hochgefühl hatte er es wohl vergessen. – Es klingelt an der Tür. Nach monatelanger Abwesenheit steht der Herr Sohn Sebastien (Sebastien Castro) höchstselbst vor der Tür. Lümmelt sich wie eh und je aufs teure Sofa, knipst wortlos die Glotze an – während Maria (Rossy de Palma), die eigensinnige spanische Haushaltshilfe, den hartnäckigen Dreck vom Teppich zu saugen versucht, den Léo hereinschleppt, mit seiner radebrechenden Mitteilung, dass es nunmehr doch ein nicht länger zu leugnendes Problem gibt: das Abwasserrohr. Aus Versehen danebengehauen, schließlich ist er kein Fachmann.

Losgelöst davon besteht Nathalie darauf, die sich ohnehin nur noch in selbstquälerischen Sphären bewegt, Michel gegenüber endlich ihr Gewissen erleichtern zu können. Ja, es gab einmal eine Liebesnacht mit einem anderen Mann, haucht sie kaum vernehmbar, nur eine einzige. Vor dreißig Jahren war das. Vor dreißig Jahren? Er vergibt ihr, er vergibt ihr. Will gar nicht wissen, mit wem. Nathalie soll ihn nur endlich seine Musik hören lassen: "Weil, wenn ich diese Musik höre, dann bin ich ein glücklicher Mensch, verstehst Du?"

Die Rettungsarbeiten am Wasserrohr, zumal unsachgemäß, kommen zu spät. Von Pavels Decke unter ihnen tropft es bereits fleißig herab. Der eisenharte Gewerkschafter legt entschieden Protest gegen die Schweinerei ein, alldieweil die große Nachbarschaftsparty bei ihm damit in Gefahr ist. Und scharfsichtig deckt er dabei gleich mit auf, dass es sich hier auch noch um Sklavenarbeit durch nicht sozialversicherte Ausländer handelt. Michel kommt vor lauter Rettungsarbeiten und Beschwichtigungen in alle Richtungen und kaum noch zum Denken. Zumal das, was im Weiteren auf ihn einstürzt, mit "Tour de Force" nur milde beschrieben wäre.

Denn als Nächste stürzt Elsa herein, die Nerven durch das vergebliche Warten im Café endgültig zerrüttet. Drängt Michel, dass sie Nathalie gegenüber, immerhin ihre beste Freundin, reinen Tisch machen müssen. Nathalie sei die ganzen letzten Tage schon so angespannt gewesen, sicherlich ahnt sie etwas. Und vielleicht sollten sie beide dabei auch gleich Schluss machen, in einem Aufwasch sozusagen. Mit Müh und Not drängt Michel sie ins Treppenhaus. Schluss machen? "Einverstanden", sagt er emotionslos. Irgendwo muss es jetzt auch einmal Klarheit geben. Elsa ist bestürzt, er ist so unendlich roh, sie einfach wegzuschicken! Tränenüberströmt besteigt sie mit Maria den Lift – während Michel feststellt, dass er sich ausgesperrt hat. Sébastien hat noch einen Schlüssel, wo steckt der missratene Kerl? In den leeren Räumen unterm Dach steckt er. Gerade dabei, mir nichts dir nichts eine philippinische Großfamilie einzuquartieren, bestehend aus nicht weniger als drei Generationen. Das also war es, weshalb der Herr Sohn sich urplötzlich hat einfallen lassen, wieder nach Hause zu kommen. Papa und Mama sollen sich ab heute um eine Dutzendschar heimatloser Wirtschaftsflüchtlinge kümmern!

Aber diesmal ist Sébastien nicht auf den Mund gefallen. Michels Protest würgt er ab, indem er ihm ins Gesicht schleudert, dass er als Vater nie für ihn da war, wenn er ihn mal gebraucht hat. "Ich soll ein Egoist sein?!", stottert Michel hilflos zurück, während ihn der stumme Blick eines der philippinischen Mädchen ins Herz trifft. Gut, er kann ja unten eine Babyflasche warm machen.

Dort ergießt sich Nathalies Badewasser munter in die Zimmer, während sie selbst zutiefst zerknirscht Michel in der Küche zur Fortsetzung ihres Geständnisses anhebt: dass es Pierre war, mit dem sie diese eine Liebesnacht hatte. Sie schämt sich bis heute. Ohne dass Michel ihr vergibt, kann sie nicht leben. Ausgerechnet Pierre, Michels dickster, ältester Freund. Merkwürdig, sich das vorzustellen: sie, die personifizierte Göttin der Schönheit und Kultiviertheit – mit Pierre, einem Verlierer auf ganzer Linie, der sein Leben lang immer nur abgestaubt hat. Hatte er sich nicht angemeldet, noch vorbeizukommen?

Da ist er schon. Während Elsa vor Maria wasserfallartig ihr Herz ausschüttet – sie stecken im Lift fest, denn auch die Stromversorgung hat inzwischen unter den Rettungsmanövern gelitten –, darf sich Michel von Nathalie und Pierre, diesem merkwürdigen Paar, noch die Spitze des Ganzen anhören: Die besagte Nacht am lauschigen Strand des Pazifik war nämlich nicht nur erregend romantisch. In ihr wurde auch noch ein Kind gezeugt. Kann ja passieren. Genauer gesagt, ein Junge, hübsch und süß. Niemand anderer als Sébastien. Statt zu antworten, holt Michel zur Feier des Tages Wein auf den Tisch, sie trinken. Na Prost, dann ist er ab sofort ja die Verantwortung für dieses verkorkste Miststück endlich los. Nathalie beschwört ihn: Er sei und bleibe natürlich Sébastiens Vater, nur eben nicht biologisch, hat er ihn doch von Anfang an wie sein eigenes Kind aufgezogen.

Im Flur spielt Léo mit dem philippinischen Mädchen, in der Küche geht Pierre verdruckst Michel um Geld an für eine bombensichere Investition. Während im Salon es sich die feierlustige Nachbarschaft mit Chips, Eiersalat und Getränken gut gehen lässt. Der Wasserschaden hat sie aus Pavels Wohnung vertrieben. Eben dieser grabbelt derweil, ganz in solidarischer Verantwortung für das gute mitmenschliche Miteinander, in Michels Plattensammlung herum. Es ist "Musik für alle", die er sucht.

Resigniert sitzt Michel da. Lässt alles, die plappernde Fröhlichkeit dieser Menschen, an der er nicht teilhaben kann, die krümelnden Chips auf dem Teppich, selbst dieses unerträgliche Synthesizer-Gestampfe, über sich ergehen. Doch als es Pavel einfallt, sich auch noch "Me, Myself And I" herauszupicken, einzig um auf Niel Youart herumzuhacken, nur weil er als Pole angeblich von Haus

aus den fundierteren Jazz-Geschmack habe – da macht es plötzlich Klick bei Michel. Mit einem Satz

stürzt er sich auf diesen besserwisserischen Bürokraten und schlägt ihn vor aller Augen zu Boden. Entsetzt stürzt alles von dannen, angewidert von Michels roher Gewalt. Ein erwachsener Mann! Dabei wollte er doch nur eine Stunde seine Ruhe haben.

Er drückt Pierre das Geld in die Hand. Wenigstens soll der sich von jetzt an wie ein richtiger Vater benehmen. Von Elsa, die gestärkt aus ihrer Beratung mit der hochnäsigen Maria noch einmal zurückkommt, fängt er sich zum Abschied eine schallende Ohrfeige ein. Hockt sich schließlich zu Pavel mit seiner blutenden Nase, um zur Versöhnung mit ihm eine gemeinsame Lösung für die philippinische Familie zu finden. Pavel wird sie aufnehmen, gemeinsam werden sie für sie sorgen.

Endlich ist Michel allein. Es ist totenstill in der Wohnung. Da, die Platte. Noch einmal will er mit elegantem Schwung die Nadel aufsetzen, räumt den schrecklichen Synthie-Pop weg – als ihm die ganze Anspannung des Tages den Rücken zerreißt. Hilflos windet er sich auf dem Teppich. Ruft um Hilfe, doch nur das philippinische Mädchen ist noch geblieben. Versteht sie ihn, als er sagt: „Du musst mich für einen echten Mistkerl halten“? Dabei wollte ich nur diese Platte hören. Mein Vater hat unwahrscheinlich auf Neil Youart gestanden. Er hat mir die Begeisterung für den Jazz beigebracht. Was würde er geben, wenn er wüsste, dass ich sie gefunden haben.“ "Ist Dein Papa tot?", fragt sie. – Nein, sein Vater ist nicht tot. Und es fällt ihm wie Schuppen von den Augen. Komisch, dass er nicht früher daran gedacht hat ...

Wo war noch das Zimmer? Mit schmerzgebeugtem Rücken eilt er durch die Gänge des Heims. Sein Vater (Jean-Pierre Marielle) erkennt ihn nicht. Hat er etwa Alzheimer? Spielt jetzt auch keine Rolle. Michel legt die Platte auf. Es war immer die Musik, die sie miteinander verband. Auch jetzt gibt es nichts anderes, was zählt. "Ein Freund ist einer, der immer da ist, wenn man ihn braucht", lächelt selig der Vater. Und wie zwei unzertrennliche Kumpels sitzen sie da, die eine beschützende Hand auf der des anderen. Der alte Junge und der kindgewordene Alte. Hören nur zu, verlieren kein Wort. Ja, das ist es. Neil Youart. Auch wenn die Platte einen Sprung hat...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 31.01.2019


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