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Rosenhügel - Plakat zum Film

ROSENHüGEL

(D/H, 2003)

Regie: Mari Cantu
Film-Länge: 94 Min.
 
  


 Kino-Start:
 03.03.2005

 Free-TV-Start:
 09.05.2006

"Rosenhügel" - Handlung und Infos zum Film:


Budapest 1956. In der Villa auf dem Rosenhügel führt Genosse Gabor Palfí (Peter Andorai) mit seiner Frau Teresa (Erika Marozsan) und den Kindern Panka (10) (Naomi Rozsa) und Mischka (6) (Abel Fekete) ein vergleichsweise komfortables Leben. Gabor ist überzeugter Kommunist, der sich mit Leib und Seele für die Ideale einer – aus seinem Politikverständnis heraus – menschenfreundlichen Partei einsetzt. Er engagierte sich bereits zur Zeit des Nationalsozialismus und – konspirativ – während des Zweiten Weltkriegs für die kommunistische Idee und brachte dafür große Opfer. Seine Geliebte, die jüdische Genossin Lolo, bezahlte die politischen Aktivitäten mit dem Leben: Sie wurde nach Auschwitz deportiert.

Der Krieg ist vorbei, die Jahre des Hungers auch, das Leben auf dem Rosenhügel strahlt die Zuversicht aus, die sich überall in Europa in der 1950er Jahren verbreitet: Die Frauen tragen endlich wieder modische, farbenfrohe Kleider, die Kinder dürfen Orangen und Mandarinen essen, die Männer planen die Zukunft und entwickeln weitsichtige Perspektiven. Gabor Palfí gehört zu den politisch angesehen Kräften, er hat einen direkten Draht („Sondertelefon“) zu Janos Kadar und Matyas Rakosi. Gabors schöne Frau Teresa legt demnächst ihre Prüfung in der Parteischule ab.

Unabhängig von den historischen und politischen Fragen der Zeit, treiben Panka und Mischka all jenen Unsinn, den sich Kinder stets und überall einfallen lassen. Dazu gehört es natürlich auch, große Geheimnisse vor den Eltern zu pflegen – selbst wenn das Geheimnis ein Brief ist, der an den Vater gerichtet war. Ein Brief aus einem fernen Land – Israel – mit dem Foto einer schönen Frau aus einer fremden Zeit. Ein Brief, in verschiedenen, teils unverständlichen Sprachen geschrieben, die Sachverhalte erschließen sich kaum dem kindlichen Denken, beflügeln jedoch die Fantasie.

Die Melange aus Einbildungskraft, schlechtem Gewissen und kindlicher Vorstellungswelt ordnet die Wahrnehmungen der sich überstürzenden Ereignisse: Die häufigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern, die Panzer vorm Haus, Menschen, die verschwinden, Freunde, die zu Gegnern werden, das merkwürdige Verhalten des Vaters, der nach einigen Nächten außer Haus völlig verändert zurückkehrt. All das erscheint den Geschwistern eine direkte Folge des unterschlagenen Briefes zu sein.

Während der Erwachsene weiß, dass dies alles den politischen Wirren der Zeit und dem Aufstand geschuldet ist, spürt er zugleich, wie sich, ohne dass Vater oder Kinder etwas dagegen tun können, die Schatten der Vergangenheit über sie legen. Der Brief und das Foto der Lolo machen Panka und Mischka zu Komplizen des Vaters, der die Verantwortung gegenüber der Partei über die Verantwortung gegenüber der Geliebten stellte und sich nun, im Aufstand 1956 von just dieser Partei verraten sieht. Die Unruhe begünstigt politische Orientierungslosigkeit, korrupte Wendehälse werden in Machtpositionen gespült, die sie für persönliche Zwecke missbrauchen. Aus ehemaligen Kampfgefährten, die in der Konspiration gegen die Faschisten Kopf und Kragen riskierten, werden subtil unsolidarische Intriganten.

Da schickt der Genosse Matyas Rakosi dem verdienten Gabor Palfí ein sorgsam ausgewähltes Geburtstagsgeschenk: Ein Wildschwein. Spätestens seit Luthers „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi“ von 1543, ist die Kombination von Jude und Schwein überliefert. Die Verbindung zwischen Kommunist und Schwein ist zwar etwas jünger, aber ebenso bekannt. Die Geburtstagsgesellschaft versinkt dementsprechend in betroffenes Schweigen, das von dem eher lakonisch vorgetragenen Satz „Passen Sie auf, Genossen, dass Sie sich Ihre Uniform nicht blutig machen“ durchbrochen wird. Selbst der ahnungsloseste Gast wird so hingewiesen auf die Verstrickungen, die Gabor aus der Vergangenheit bis zum Vorabend des Aufstands 1956 begleiten.

Ebenso wie die russischen Panzer die ungarischen Demonstranten immer mehr in die Enge treiben, wird es auch für Panka und Mischka immer bedrohlicher, das Geheimnis um den Brief zu wahren. Als die russischen Panzer den Rosenhügel verlassen, ist zwar kein Schuss gefallen und dennoch liegt alles in Trümmern: Die ehemaligen Freunde haben sich von den Palfís abgewendet, Gabors politische Karriere ist beendet, das Geheimnis ist offen gelegt, die Familie findet erst in der Flucht wieder zusammen.

Die Kindheitsträume und der Rosenhügel sind für immer verloren.

Autor/Bearbeitung: Andreas Haaß

Update: 31.01.2019


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