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Vor der Morgenröte - Plakat zum Film

VOR DER MORGENRöTE

(D/F/A, 2016)

Regie: Maria Schrader
Film-Länge: 107 Min.
 
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 Kino-Start:
 02.06.2016

 DVD/Blu-ray-Start:
 01.12.2016

 Free-TV-Start:
 21.11.2018

"Vor der Morgenröte" - Handlung und Infos zum Film:


Rio de Janeiro, August 1936. Im exklusiven Jockey Club wird Stefan Zweig (Josef Hader) mit allen Ehren von der brasilianischen Haute Volée wie ein Staatsmann empfangen. Der 54-jährige Österreicher ist ein weltweit gefeierter Schriftsteller, neben Thomas Mann der meistgelesene aus dem deutschsprachigen Raum. Allein zur Lesung am Vorabend waren mehr als 2000 Menschen gekommen.

Brasiliens Außenminister Macedo Soarez (Virgilio Castelo) stellt den berühmten Gast den Honoratioren des Landes vor. Man versammelt sich um eine riesige Tafel, so üppig mit tropischen Blumen geschmückt, als wolle man dem Europäer die ganze Vielfalt und Schönheit Brasiliens auf einen Blick präsentieren. Aber neben der betörenden Exotik von Land und Menschen, neben dem großartigen Empfang, der ihm seit seiner Ankunft vor drei Tagen hier bereitet wird, steht Stefan Zweig unter einem noch stärkeren Eindruck, der ihn an diesem Mittag zu einer Rede bewegt: Er, der als Jude nicht mehr im nationalsozialistischen Deutschland publizieren darf und seit 1934 in London ein vorübergehendes Exil gefunden hat, ist vor allem von einer Gesellschaftsform überwältigt, in der ein friedliches Zusammenleben verschiedenster Rassen und Hautfarben zu gelingen scheint: Brasilien, ein Land der Zukunft, beispielgebend für den Rest der Welt. Und von diesem Moment an kann Zweig auch die persönliche Hoffnung auf eine neue Heimat nicht mehr von Brasilien trennen.

Buenos Aires, September 1936. Der Schriftsteller-Kongress ist das vorherrschende Ereignis dieser Tage in Buenos Aires. Unter den Augen der Öffentlichkeit versammeln sich hier 80 Schriftsteller aus 50 Nationen, um "die Stellung des Schriftstellers in der Gesellschaft" zu diskutieren, zentrales Thema ist der aufkommende Faschismus in Mitteleuropa. Stefan Zweig ist diesjähriger Ehrengast.

Stefan Zweig wird von dem Sekretär des Kongresses Antonio Aita (Arthur Igual) durch das Gedränge von Schaulustigen und Besuchern geleitet. Eine internationale Runde renommierter Journalisten erwartet ihn zum Interview. Unter ihnen ist der jüdische Journalist Joseph Brainin (Andre Szymanski), der darauf drängt, von dem berühmten Exilanten Zweig eine druckreife Verurteilung des Hitlerregimes zu erhalten. Als Zweig sich weigert, dieser Forderung nachzukommen, verwandelt sich das Interview in ein politisches Kreuzverhör. Zweig besteht darauf, dass ein Künstler die Errungenschaft geistiger und kommunikativer Differenzierung zu verteidigen habe und dass er allein durch sein Werk Wirkung erziele. Er könne der Radikalität seiner Gegner als Pazifist und Intellektueller nicht mit derselben Radikalität begegnen. "Ich werde nicht gegen Deutschland sprechen. Ich würde nie gegen ein Land sprechen. Und ich mache keine Ausnahme."

Nebenan hat der weniger prominente Emil Ludwig (Charly Hübner) bereits begonnen, eine pointierte Wutrede gegen Nazideutschland zu halten. Und während Ludwig keine Hemmungen hat, mit Polemik und Pathos gegen Zensur und Willkür zu wettern, sitzt Zweig neben ihm auf dem Podium und beobachtet das Publikum, das Ludwigs Rede tosenden Beifall zollt. Der belgische Schriftsteller Luis Pierard (Vincent Nemeth) verliest daraufhin die Namen verfolgter und exilierter deutschsprachiger Schriftsteller, das Publikum erhebt sich wie zu einer Andacht. Zweig ist diese pathetische Geste, die nichts kostet und zugleich vollkommen wirkungslos ist, unangenehm. Als ihm dann das gesamte Publikum als dem einzigen anwesenden Exil-Schriftsteller stehend applaudiert, hat er Schwierigkeiten, seine Abneigung zu verbergen.

Bahia, Januar 1941. Stefan Zweig ist mit seiner zweiten Frau Lotte (Aenne Schwarz) seit Monaten auf Vortragsreisen durch Südamerika. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs mussten sie ihr Haus in London verlassen, seitdem sind sie heimatlos unterwegs.

Zweig schreibt an einem Buch über Brasilien, zum Zwecke der Recherche bereisen sie den wenig besiedelten Norden des Landes. Inmitten eines großen Zuckerrohrfeldes lassen sie sich den Zuckeranbau erklären. Die Sonne brennt, der Schweiß durchnässt die Kleidung. Die Zeit drängt, ein Flug nach New York wartet auf sie in wenigen Stunden, Lottes kleine Nichte ist alleine in die USA geflohen. Zuvor allerdings steht noch ein Besuch beim Bürgermeister der Provinzstadt an, einer der fast täglichen Empfänge auf dieser Reise. Auf dem Weg formuliert Zweig Telegramme, nutzt seine Verbindungen zu den Botschaftern Südamerikas, um mit Einreisevisen Freunden und Kollegen zur Flucht aus Europa zu verhelfen. Der Gedanke an den Krieg und die Vernichtung seiner Heimat ist ein ständiger Begleiter geworden.

Als sie endlich auf einer ländlichen Facenda eintreffen, finden sie den Bürgermeister Bernardo dos Santos (Joao Didelet) verzweifelt vor. Er hatte eingewilligt, den Empfang vom Rathaus hierher zu verlegen, um seinem berühmten Gast Fahrzeit zu ersparen, jetzt schämt er sich für das Provisorium. Zweig bemüht sich, dos Santos von seinen Sorgen zu befreien, zugewandt und freundlich übersieht er Peinlichkeiten, bis ihn der gestärkte Bürgermeister vor den Vertretern seiner Gemeinde einer zudringlichen Rede aussetzt: Angesichts der Tatsache, dass Stefan Zweig ein Buch über seinen Landstrich schreibe, sei den Gräueln in Europa auch etwas Gutes abzugewinnen. Die Absurdität gipfelt darin, dass seine Dorfkapelle als Geschenk für Zweig den Donauwalzer anstimmt. Eine Verbeugung vor seiner Heimat, die für ihn nicht mehr existiert.

New York, Januar 1941. Es ist tiefster Winter, die Fenster der Wohnung im Greenwich Village sind zugefroren. Zum ersten Mal seit neun Monaten sieht Stefan Zweig seine geschiedene Frau Friderike (Barbara Sukowa), mit der er 20 Jahre zusammengelebt hat. Im Gegensatz zu der jungen und treu ergebenen Lotte hat Friderike ihm durch ihre Lebenstüchtigkeit und ihren selbständigen Geist Unterstützung und Schutz geboten, den er auf einmal schmerzlich vermisst.

Nur wenige Wochen zuvor ist Friderike gemeinsam mit ihren beiden Töchtern aus erster Ehe die Flucht in die USA gelungen, in New York sind sie in der Wohnung einer Freundin untergekommen. Friderike übergibt Zweig einen großen Stapel Bittbriefe aus Europa. Angesichts des Leids, der stetig wachsenden Zahl von Menschen, die sich in ihrer Not an ihn wenden und nicht zuletzt der vielen bereits gestorbenen Freunde, schwankt er zwischen wütender Verzweiflung und Ohnmacht. "Ein halber Kontinent würde auf einen anderen flüchten, wenn er könnte". Es ist unmöglich, allen zu helfen, für die Bürgschaften geht ihm längst das Geld aus, fast sein ganzes Vermögen ist in England verloren.

Als Lotte, die neue Frau an Zweigs Seite, in der Wohnung eintrifft, begegnet ihr Friderike mit Respekt und Großzügigkeit, zumal Lotte in diesem Klima durch ihr Asthma geschwächt wird und an Hustenanfällen leidet. Fast zeitgleich trifft Zweigs amerikanischer Verleger Ben Huebsch (Stephen Singer) ein. Er schlägt Zweig und Lotte das nahe gelegene New Haven als Arbeitsort und Zwischenstation vor, solange die zukünftige Heimat der Beiden noch ungewiss ist. Der Gedanke an ungestörte Arbeit beflügelt Zweig, und mit der Unterstützung beider Frauen entwickelt er einen ehrgeizigen Plan, wie nicht nur das Brasilienbuch in fünf verschiedenen Sprachen zeitgleich erscheinen, sondern innerhalb der nächsten Wochen auch das biographische Werk "Die Welt von Gestern" fertig gestellt werden könnte.

Petrópolis, November 1941. Stefan und Lotte Zweig haben die Vereinigten Staaten wieder verlassen und sind vor einigen Wochen von Rio in das zwei Autostunden entfernte Petrópolis inmitten tropischer Vegetation gezogen. "Die Welt von Gestern" ist abgeschlossen, das Brasilienbuch tatsächlich zeitgleich in fünf Sprachen erschienen. Ausgerechnet in Brasilien ist es zwiespältig aufgenommen worden. Von der Linken wird ihm unkritische Nähe zur gemäßigten Diktatur Getúlio Vargas’ vorgeworfen, den Nationalen ist es nicht euphorisch genug.

Am Morgen seines sechzigsten Geburtstags wird Stefan Zweig von einem alten Bekannten überrascht: Ernst Feder (Matthias Brandt), deutsch-jüdischer Schriftsteller und ehemaliger Ressortleiter des "Berliner Tageblatts", ist mit seiner Frau ebenfalls in Petrópolis untergekommen. Als Zweig Feder erkennt, hellt sich seine Miene auf, erfreut, ein vertrautes Gesicht in der Fremde zu sehen. Er begleitet Feder in seine neue, bescheidene Bleibe und preist die vermeintlichen Vorzüge dieses abgeschiedenen Lebens. Beim Blick auf die sich vor ihnen erstreckende paradiesische Landschaft aber kann Zweig seinen eigentlichen Gemütszustand nicht weiter verbergen: Eine tiefe Verzweiflung hat von ihm Besitz ergriffen. Das Weltgeschehen kann er nur noch hilflos und aus weiter Ferne betrachten, und die eigene Sicherheit fühlt sich angesichts des überwältigenden Elends in Europa wie eine Unverfrorenheit an. Er hat keine Hoffnung auf Frieden, nirgendwo in der Welt gibt es eine Opposition gegen den Krieg als solchen. Feder bemüht sich redlich, Zweigs Depression zu zerstreuen und verspricht, mit ihm Schach zu spielen, als Recherche für Zweigs geplante "Schachnovelle".

Zurück in seinem Haus wird Stefan Zweig von Lotte, seinem brasilianischen Verleger Abrahão Koogan (Abraham Belaga) und dessen Frau Paulina (Irina Potapenko) erwartet, die ihm zum Geburtstag einen kleinen Terrier namens Plucky schenken. Begeistert spielt Stefan Zweig mit dem Hund. Ein kurzer, letzter Moment ausgelassener, fast beunruhigender Freude...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 31.01.2019


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