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Berlin - Stettin - Plakat zum Film

BERLIN - STETTIN

(D, 2009)

Regie: Volker Koepp
Film-Länge: 110 Min.
 
"Berlin - Stettin" auf DVD bestellen
DVD:  18.99 EUR
  


 Kino-Start:
 28.01.2010

 DVD/Blu-ray-Start:
 27.07.2010

 Free-TV-Start:
 24.08.2011

"Berlin - Stettin" - Handlung und Infos zum Film:


"Berlin – Stettin" war ein Kinderspiel, das Volker Koepp mit Freunden nach dem Krieg in Berlin-Karlshorst spielte. Der Name des Spiels war einprägsam, er ging ihm nie ganz aus dem Kopf. Erst später wurde ihm bewusst, dass sich mit den beiden Städtenamen eigene wichtige Lebensorte verbanden: der Geburtsort Stettin (heute das polnische "Szczecin"), Berlin als Ort der Kindheit, die Landschaft dazwischen als Drehort vieler Filme: Brandenburg, Mecklenburg, Pommern.

Stettin / Broda / Greifswald, 1944–1950: Gewidmet ist der Film Koepps Mutter, Thea Koepp. Sie war 1944 mit ihren Kindern aus Stettin nach Broda bei Neubrandenburg geflohen. Die nahegelegene Torpedoversuchsanstalt im Tollensee wird bombardiert. Mit dem Kriegsende kommen russische Soldaten. Die nach Broda geflohenen Frauen leben in Angst, auch Frau Koepp. Die Kinder müssen Vergewaltigungen und Morde mit ansehen. In den 1950er Jahren sind einige am Tollensee geblieben. Volker Koepp verbringt als Kind einige Sommer dort. Seine Mutter ist mit den Kindern aber schon weiter gezogen, über Greifswald nach Berlin, in den Stadtteil Karlshorst. 2006 erreicht ein Brief den Filmemacher. Doris Krause, die als Kind das Kriegsende in Broda miterlebt hat, erinnert sich darin an Thea Koepp und ihre Kinder. Volker Koepp besucht Frau Krause in Neubrandenburg, sie liest aus ihren Tagebuchaufzeichnungen von damals.

Berlin-Karlshorst, 1950er Jahre: Der Filmemacher besucht Ursula Panneke, mit der er 1950 zusammen eingeschult wurde. Die Familien wohnten in Karlshorst, die Kinder spielten zwischen den Ruinen. Brennholz wurde gegen Kartoffelschalen getauscht, Milch gab es auf Marken. In der Nähe ist das russische Militär stationiert, den Kindern der Offiziere wird irgendwann die Schule überlassen, in der Frau Panneke noch die Ereignisse des 17. Juni 1953 erlebt. Die Panzer zur Niederschlagung des Aufstands kommen aus der Karlshorster Kaserne, Volker Koepp sieht, wie in der Dorotheastraße jemand erschossen wird.

Osten Deutschlands, 1956 bis 1989 / Zehdenick: Aufwachsen in der DDR , Erinnerungen an drei Aufstände im Osten Europas, allgegenwärtiges russisches Militär, das Gefühl, dass mit dem System "etwas nicht stimmte". Der Student der Filmhochschule in Babelsberg gerät 1968 in Konflikt mit dem Regime. Der erste Dokumentarfilm entsteht als "Strafarbeit", um den Ausschluss aus der Schule abzuwenden. Und Koepp findet Gefallen am Dokumentarfilm-Genre und an den Protagonisten. Immer wieder dreht er in den Landschaften Elbe und Oder, zwischen Berlin und Stettin. 1988 bis 1990 entstehen in Zehdenick die Aufnahmen für die "Märkische Trilogie", Koepps letzte in der DDR produzierten Filme. Dort wurden die Ziegel für den Berliner Wiederaufbau hergestellt, Koepp erlebt mit den Arbeitern die "Wende": der Abschied vom Sozialismus, die Angst vor der Bespitzelung in der Wahlkabine, die Aussicht darauf, "jetzt mit dem Grafen Lambsdorff Brüderschaft zu trinken".

Den Ausschnitt aus dem Film von damals folgt ein Besuch in Zehdenick heute. Koepp trifft Bruno Olschewski, der bis 1990 in einer Ziegelei gearbeitet hat. Dann war Schluss, jetzt holt sich die Natur alles zurück, der Sohn ist arbeitslos. "Das gibt ja nichts mehr hier". Wiedersehen mit den Arbeitern aus der "Märkischen Trilogie". Eine "lustige Runde". Sie sehen den Film noch mal auf einem Fernseher in der Kneipe und die Erinnerungen sind ambivalent. Die schwere Arbeit, der Alkohol, der Staub. Aber auch: die Tauschgeschäfte, die Kameradschaft. Damals hatten sie gedacht, es gäbe nichts anderes. Jetzt haben sie etwas anderes kennen gelernt und können sich ein Zurück nicht mehr vorstellen. Letzter Ausschnitt aus der Märkischen Trilogie. Eine Predigt, gefilmt am 3. Oktober 1990. Thema: Mauerfall. "Wie sehr haben wir uns das gewünscht!"

Die östlichen Landschaften: Es gibt einen Lieblingsort von Volker Koepp. Bei Gerswalde, 70km entfernt von Berlin, 70km entfernt von Sczcecin/ Stettin. Zirkelschlag um die Landschaften, die kargen Hügel aus der Eiszeit, die Niederungen der großen Ströme, die sich in die Haffs ergießen, dahinter das Meer, die Ostsee. Die Geschichte dieser Landschaft: die preußischen Provinzen, deutsche Zeit und slawische Zeit, Christianisierung, 30jähriger Krieg, Schweden und Pest, Kriege und Teilung, Entvölkerung und Neubesiedlung. Immer war Deutschland von der Elbe an "eine andere Welt". Koepp trifft Anetta Kahane, in Berlin geboren, Tochter jüdischstämmiger Deutscher und Kommunisten, in ihrem Sommerhaus in der Nähe von Gerswalde. Es sollte das Refugium der Mutter werden und nach ihrem Tod hat es die Tochter zu Ende gebaut.

Der familiäre Kontext und die Schönheit der Landschaft wird seit einiger Zeit gestört von den Nachrichten rechtsradikaler Gewalt. Vier Todesopfer allein im letzten Sommer, 2002 im nahen Potzlow der Mord an Marinus Schöbel. Die Nachbarskinder treten plötzlich mit Glatzen und Springerstiefeln auf. Anetta Kahane erzählt, dass Antisemitismus und Ausländerhass in der DDR tabuisiert wurden, auf individueller Ebene gar nicht behandelt. Die Gewalt ist nicht nur Ausdruck gegenwärtiger Verrohung – es gab sie schon in der DDR , gegenüber Ausländern, gegenüber den "Tagelöhnern" aus dem Osten. Die Landschaften zwischen Berlin und Stettin werden immer wieder vom Menschen verändert. Windanlagen entstehen ohne Absprache mit den Bewohnern. Auf der polnischen Seite der Oder soll es bald wieder ein Atomkraftwerk geben.

An der Bahnstrecke Berlin-Szczecin, vor der polnischen Grenze steht das restaurierte Schloss Wartin. Dort trifft Volker Koepp Hans-Joachim Mengel, Politikwissenschaftler und Gründer der Initiative "Rettet die Uckermark". Mengel wehrt sich gegen die Ignoranz der Windkraftanlagen-Betreiber gegenüber den Bewohnern der strukturschwachen Landschaft und begreift Landschaftsschutz als Menschenschutz. Als "Zugereister" aus Nordhessen ist es ihm damit gelungen, die Stimmen vieler Menschen der Nordost-Uckermark hinter sich zu bringen. Zusammen mit seinem Kollegen Charles Elworthy nutzt er das Schloss als Kultur- und Wissenschaftszentrum. Dessen Studenten Aleksandra und Pawel erzählen von polnischem Nationalstolz und von der anti-polnischen Stimmung in Ostdeutschland.

Eine "Zugezogene" ist auch die Schauspielerin Fritzi Haberlandt, die ein verlassenes Haus in einem Dorf nahe Zehdenick gefunden und hergerichtet hat. Sie erzählt, dass jetzt die Enkel der Dorfbewohner zurückkommen und Landschaft und Dörfer neu entdecken. Fritzi Haberlandt war vierzehn, als die Mauer fiel. Seitdem hat sie sich immer wieder mit dem Thema DDR beschäftigt. Sie liest einen Monolog der Textilarbeiterin Elsbeth aus Volker Koepps Dokumentarfilm "Mädchen in Wittstock" (1974)...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 31.01.2019


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